Allgemein Heizung

Heizen mit Wasserstoff

Wasserstoff ist in aller Munde, auch beim Thema Heizen. Doch lohnt sich der Umstieg wirklich? Eine aktuelle Fraunhofer-Studie liefert klare Antworten: Heizen mit Wasserstoff ist technisch machbar, aber teuer, aufwendig und in den meisten Fällen keine wirtschaftliche Option.

Was die Studie zeigt

Das Fraunhofer IEG hat im Auftrag von Greenpeace und GasWende untersucht, welche Voraussetzungen, Kosten und Perspektiven der Einsatz von Wasserstoff in Heizungen mit sich bringt. Das Ergebnis fällt eindeutig aus, besonders für Gebäudebesitzer:innen und die Dienstleistungsbranche.

Technische Realität

  • Wasserstoff kann nicht einfach ins bestehende Gasnetz eingespeist werden – ganze Netzgebiete müssten zonenweise komplett umgestellt werden.
     
  • Dafür wären 100 %-H₂-ready-Geräte nötig, die aktuell kaum verfügbar sind.
     
  • Neben der Heizung müssten auch Zähler, Anschlüsse und teilweise Leitungen angepasst oder ersetzt werden.
     
  • Die Umsetzung würde Jahre dauern und erheblich Fachkräfte binden, bei aktuell ohnehin knappen Ressourcen im Handwerk.

Wirtschaftliche Einschätzung
Die erwarteten Wasserstoffkosten liegen laut Studie bei:

  • 21–33 ct/kWh bis 2035
  • 16–28 ct/kWh bis 2045

Das bedeutet Heizkostensteigerungen von 70–170 % im Vergleich zu Erdgas.
Eine staatliche Subvention auf Gaspreisniveau würde jährlich 9–21 Milliarden Euro kosten (nicht realistisch).
Auch die CO₂-Vermeidungskosten sind mit über 700 € pro Tonne extrem hoch.

Folgen für Praxis und Planung
Für Installationsbetriebe und Hausverwaltungen bedeutet das:

  • Eine flächendeckende Umstellung wäre logistisch und finanziell enorm aufwendig.
  • Bestehende Gasheizungen müssten vorzeitig ersetzt oder umgerüstet werden.
  • Bei Altbauten drohen zusätzliche Kosten durch nötige Leitungsanpassungen.
  • In der Übergangsphase steigen zudem CO₂-Kosten und Netzentgelte für Erdgas.

Vergleich mit Alternativen
Wärmepumpen und Fernwärme bleiben laut Studie deutlich kosteneffizienter:
Heizen mit Wasserstoff ist im Durchschnitt 24 % teurer.
Selbst bei sinkenden H₂-Preisen wird der Wasserstoffanteil an der Gebäudewärme langfristig 
unter 1 % liegen.

Fazit

  • H₂-Heizungen sind keine Zukunftslösung für die breite Gebäudewärme.
  • Für Neubau, Sanierung und Bestand ist die Elektrifizierung über Wärmepumpen heute die wirtschaftlich sinnvollste Option.
  • Wasserstoff wird vor allem in Industrie und Schwerverkehr gebraucht, nicht im Heizkeller.

Unser Tipp
Bei der Heizungsplanung auf Zukunftsfähigkeit und Fördermöglichkeiten setzen,
Wärmepumpe, Fernwärme oder Hybridlösungen bieten langfristig die bessere Perspektive.

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