Am 24. Februar 2026 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Eckpunkte zur geplanten Änderung des Gebäudeenergiegesetzes veröffentlicht. Die Botschaft klingt zunächst verbraucherfreundlich:
mehr Technologieoffenheit, mehr Planbarkeit und mehr Akzeptanz beim Heizungstausch.
Für Eigentümerinnen und Eigentümer ist jedoch vor allem entscheidend, was diese Pläne in der Praxis bedeuten. Denn auch wenn Öl- und Gasheizungen künftig wieder zulässig sein sollen, ist dies an neue Bedingungen geknüpft – mit potenziell spürbaren Folgen für Kosten, Verfügbarkeit und langfristige Wirtschaftlichkeit.
Fossile Heizungen bleiben möglich, aber nur mit steigender Bioquote
Der zentrale Punkt der Eckpunkte: Künftig sollen Öl- und Gasheizungen wieder eingebaut werden dürfen. Voraussetzung ist jedoch eine stufenweise steigende Beimischung klimafreundlicher Energieträger. Diese sogenannte Bio-Treppe soll ab dem 1. Januar 2029 mit 10 Prozent beginnen und bis 2040 weiter ansteigen. Das bedeutet, dass jeder seine fossile Heizung ab diesem Zeitpunkt mit 10 Prozent erneuerbaren Energieträgern betreiben soll.
Genannt werden dabei unter anderem:
- Biogas und Biomethan
- synthetische Energieträger
- wasserstoffbasierte Optionen
Zusätzlich ist bereits ab 1. Januar 2028 eine moderate Grüngas- bzw. Grünölquote vorgesehen, die bis 2030 auf 1 Prozent steigen soll. Diese Quote soll die Energielieferanten dazu verpflichten bereits umweltfreundliche Energieträger beizumischen.
Damit verschiebt sich die entscheidende Frage für viele Eigentümer: Nicht mehr nur „Ist diese Heizung noch erlaubt?“, sondern vor allem „Wie teuer werden die vorgeschriebenen grünen Anteile – und sind sie überhaupt ausreichend verfügbar?“
Niedrige Anschaffungskosten sind nicht automatisch die günstigste Lösung
In der politischen Kommunikation stehen oft die Investitionskosten im Vordergrund. Für Eigentümer zählt jedoch die Wirtschaftlichkeit über die gesamte Nutzungsdauer.
Denn eine auf den ersten Blick günstige fossile Heizlösung kann im laufenden Betrieb deutlich teurer werden, etwa durch:
- steigende Energiepreise
- zusätzliche CO₂-Kosten
- teure grüne Beimischungen
- langfristige Belastungen über das Gasnetz
Entscheidend ist daher nicht allein der Kaufpreis, sondern die Frage, welche Lösung über viele Jahre hinweg wirtschaftlich tragfähig bleibt.
Energiepreise liegen weiter über dem Vorkrisenniveau
Auch wenn sich die extremen Ausschläge der Energiekrise abgeschwächt haben, liegen viele Preise weiterhin deutlich über dem Niveau vor 2021.
Amtliche Daten zeigen:
- Haushaltsenergie lag im Januar 2026 noch immer rund 43 Prozent über dem Niveau von 2020
- Auch Heizöl liegt weiterhin klar über früheren Vergleichswerten
- Private Haushalte zahlten für Erdgas im 1. Halbjahr 2025 durchschnittlich 12,13 ct/kWh
- Auch Fernwärme hat sich in vielen Regionen spürbar verteuert
Für Verbraucher bedeutet das:
Die Lage hat sich beruhigt, günstig ist Energie deshalb noch lange nicht.

Bioquote: Politisch einfach, praktisch, anspruchsvoll
Besonders relevant ist die Frage, ob klimafreundliche Brennstoffe künftig überhaupt in
ausreichender Menge verfügbar sein werden.
Beim Biomethan zeigen sich bereits heute enge Grenzen:
- Biomethanproduktion in Deutschland 2024: rund 6,9 TWh
- zusätzliche Importe: rund 3,5 TWh
- Endenergieverbrauch privater Haushalte zum Heizen 2024: 420 TWh
Zur Einordnung der Größenordnungen hilft ein weiterer Blick auf die Ausgangssituation im
Gebäudebestand:
Rund 55 % der Wohngebäude in Deutschland werden aktuell mit Gas beheizt.
Bezogen auf den jährlichen Energiebedarf privater Haushalte zum Heizen von etwa 420 TWh
entspricht dies rund 230 TWh, die heute über Gas bereitgestellt werden.
Sollte darauf künftig eine Biomethanquote von 10 % angewendet werden, müssten allein für
diesen Anteil rund 23 TWh Biomethan bereitgestellt werden.
Für die Erzeugung dieser Energiemenge aus Energiepflanzen wäre, je nach Annahmen zur
Flächeneffizienz, eine landwirtschaftliche Fläche in der Größenordnung von etwa 700.000
Hektar erforderlich.
Das entspricht ungefähr dem Dreifachen der Fläche des Saarlandes und verdeutlicht die
Dimensionen des damit verbundenen Flächenbedarfs.
Schon vergleichsweise geringe Quoten können also zu erheblichen Mengenanforderungen
führen. Das macht deutlich:
Was auf dem Papier nach einer kleinen Beimischung klingt, kann in der Praxis schnell zu
einer Preis- und Verfügbarkeitsfrage werden.
Hinzu kommt, dass biogene Energieträger nicht nur Fläche, sondern auch Rohstoffe und
Infrastruktur benötigen, und damit in Konkurrenz zu anderen Sektoren wie Industrie, Verkehr
und Stromversorgung stehen.

Weitere Kostenrisiken: CO2-Preis und Gasnetz
Neben der Preisentwicklung der Energieträger selbst kommen weitere Unsicherheiten hinzu.
Ab 2026 gilt für Heizöl und Erdgas im nationalen CO₂-System ein Preiskorridor statt eines festen Preises. Mit dem späteren Übergang zu europäischen Regelungen wird die Kostenentwicklung noch stärker marktgetrieben und damit schwerer kalkulierbar.
Ein zusätzliches Risiko liegt im Gasnetz: Wenn künftig weniger Haushalte angeschlossen bleiben, können sich die Fixkosten des Netzbetriebs auf immer weniger Nutzer verteilen. Auch das kann die laufenden Kosten fossiler Heizsysteme deutlich erhöhen.
Auch die EU setzt klare Grenzen
Parallel verschärft die Europäische Union den regulatorischen Rahmen. Die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie verlangt Nullemissionsgebäude für neue öffentliche Gebäude ab 2028 und für alle Neubauten ab 2030. Bis 29. Mai 2026 müssen diese Vorgaben in nationales Recht umgesetzt werden.
Der langfristige Trend ist damit eindeutig:
Die regulatorische Entwicklung spricht klar gegen neue fossile Abhängigkeiten im Gebäudesektor.
Unser Fazit
Die neuen Eckpunkte vermitteln auf den ersten Blick mehr Freiheit bei der Heizungswahl. Tatsächlich verlagert sich das Risiko jedoch: weg von der Frage der grundsätzlichen Zulässigkeit, hin zu den Themen Preis, Verfügbarkeit und Zukunftssicherheit.
Wer heute investiert, sollte deshalb nicht nur auf die Anschaffungskosten schauen, sondern die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer im Blick behalten.
Bei Fragen zu den aktuellen Entwicklungen, zu möglichen Auswirkungen auf Ihre Immobilien oder bei Unsicherheiten bei der Wahl der passenden Heizlösung stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.